Die Zahnpflege in der Pubertät stellt viele Familien vor Herausforderungen. In dieser Phase berichten Jugendliche häufiger über empfindliche Zähne oder Zahnfleischbluten. Plaque bildet sich spürbar schneller. Gleichzeitig nimmt die Motivation zum regelmäßigen Zähneputzen oft ab. Routinen, die früher selbstverständlich waren, geraten ins Wanken. Warum verändert sich die Mundhygiene in diesem Lebensabschnitt so deutlich, und wie können Sie Jugendliche dabei unterstützen, ihre Zahngesundheit zuverlässig zu schützen?
Hormonelle Umstellungen und empfindlicheres Zahnfleisch
Einfluss auf Zahnfleisch und Zähne haben hormonellen Veränderungen. Mit Beginn der Pubertät steigt die Konzentration der Sexualhormone, wodurch das Zahnfleisch stärker durchblutet und empfindlicher wird. Selbst kleine Mengen Zahnbelag können jetzt schnell zu Reizungen führen. Typisch sind gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, Mundgeruch oder Zahnfleischbluten beim Zähneputzen. Diese sogenannte „Pubertätsgingivitis“ ist prinzipiell vorübergehend, verstärkt sich jedoch deutlich, wenn die Zahnpflege unregelmäßig erfolgt oder Plaque nicht gründlich entfernt wird.
Snacks, süße Getränke und neue Lebensgewohnheiten
Parallel verändern sich Alltags- und Ernährungsgewohnheiten. Jugendliche werden selbstständiger, verbringen mehr Zeit unterwegs oder vor dem Bildschirm und greifen häufiger zu Snacks, süßen Getränken oder Energy Drinks. Zu den festen Mahlzeiten wird häufig mehrmals am Tag genascht. Für die Zähne bedeutet das: Sie sind häufiger Zucker und Säuren ausgesetzt, der Zahnschmelz wird belastet, das Kariesrisiko steigt. Kritisch wird es vor allem dann, wenn das abendliche Zähneputzen ausfällt oder nur sehr oberflächlich erfolgt.
Neue Prioritäten in der Pubertät: Wenn Zahnpflege keine Rolle mehr spielt
In der Pubertät rücken andere Themen in den Vordergrund. Dazu gehören Freunde, Schule, Aussehen, Unabhängigkeit. Zahnpflege wirkt im Vergleich dazu weniger relevant oder schlicht „unwichtig“. Manche Jugendliche empfinden Routinen wie Zahnseide oder die Reinigung der Zahnzwischenräume als mühsam. Wer eine feste Zahnspange trägt, steht zusätzlich vor neuen Herausforderungen: Brackets und Drähte bieten ideale Nischen für Plaque, wodurch sich Entzündungen noch schneller entwickeln können. Ohne angepasste Zahnpflege steigt das Risiko für Karies und Zahnfleischentzündungen deutlich.
Zahnpflege selbst in die Hand nehmen – Routinen, die Jugendliche stärken
Die tägliche Zahnpflege ist in der Pubertät wichtiger denn je. Eine „Zwei-Minuten-Routine“ morgens und abends – idealerweise mit fluoridhaltiger Zahnpasta und einer elektrischen Zahnbürste – hilft, Zahnbelag zuverlässig zu entfernen. Viele Jugendliche kommen mit elektrischen Bürsten besser zurecht, weil der Motor einen Großteil der Putzarbeit übernimmt. Das Zähneputzen fällt leichter, besonders für Träger von Zahnspangen. Es ist sinnvoll, dass Eltern mit den Jugendlichen realistische Routinen entwickeln, die zum Alltag passen. So wird Zahnpflege nicht als Pflicht wahrgenommen, sondern als etwas, das man selbst aktiv steuern kann.
Saubere Zahnzwischenräume – weniger Entzündungen, weniger Zahnfleischbluten
Die Reinigung der Zahnzwischenräume am Abend spielt in der Pubertät ebenfalls eine zentrale Rolle. Da das Zahnfleisch empfindlicher reagiert, können Interdentalbürsten oder Zahnseide Entzündungen vorbeugen und dafür sorgen, dass Plaque gar nicht erst in den Zahnfleischtaschen verbleibt. Viele Jugendliche empfinden es als motivierend, wenn sichtbare Erfolge erklärt werden – etwa weniger Zahnfleischbluten oder ein spürbar frischeres Mundgefühl.
Ernährung & Getränke bewusst wählen statt strengem Verzicht
Ein weiterer wichtiger Baustein sind bewusste Trink- und Snackgewohnheiten. Wasser oder ungesüßter Tee als Alltagsgetränk, süße Getränke eher zu einer Mahlzeit und eine kurze Pause nach säurehaltigen Drinks, bevor die Zähne geputzt werden – all das lässt sich gut in den Alltag integrieren, ohne Jugendliche zu stark einzuschränken. Ziel ist nicht ein Verzicht, sondern ein realistischer und selbstbestimmter Umgang mit ernährungsbedingten Risiken.
Kontrolltermine als Chance: Wissen vermitteln und so die Zahnpflege stärken
Regelmäßige Kontroll- und Prophylaxetermine unterstützen die Zahnpflege in der Pubertät zusätzlich. Die zahnärztliche Beratung, professionelle Zahnreinigungen bei erhöhter Plaqueneigung und individuelle Tipps zur Spangenreinigung helfen Jugendlichen, die Bedeutung ihrer Mundgesundheit besser zu verstehen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Positiv formuliertes Feedback („Du machst das schon sehr gut“) sowie das Einbeziehen von Zielen – etwa ein gesundes, attraktives Lächeln – können die Motivation nachhaltig stärken.
Fazit: Zahnpflege in der Pubertät wird vor allem deshalb komplizierter, weil hormonelle Veränderungen, neue Lebensgewohnheiten und schwankende Motivation zusammenkommen. Gleichzeitig ist diese Phase entscheidend für die langfristige Mundgesundheit. Durch klare Informationen, altersgerechten Empfehlungen und eine respektvolle Begleitung entwickeln Jugendliche ein besseres Verständnis für ihre Zahngesundheit und erleben, dass gepflegte Zähne nicht nur die Mundgesundheit verbessern, sondern auch das Selbstbewusstsein und ihr Wohlbefinden stärken.



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