Soll ich stillen? Muss ich das als gute Mutter vielleicht sogar? Nahezu jede werdende Mutter beschäftigt sich mit diesen Fragen. Die einen sagen: Muttermilch ist die beste Nahrung, die das Kind bekommen kann. Andere möchten sich nicht komplett abhängig vom Nachwuchs machen.
Letztendlich kann und soll jede Frau selbst entscheiden, ob sie stillen will oder ihrem Kind Ersatzmilch füttert. Fakt ist jedoch: Gestillte Kinder sind gesünder. Wird ein Kind vier bis sechs Monate ausschließlich gestillt, sinkt die Zahl der Infekte um 40 bis 70 Prozent. Studien belegen diese Aussage. Zudem wirkt sich Stillen positiv auf die Mund- und spätere Zahngesundheit aus.
Muttermilch reduziert das Kariesrisiko
Muttermilch besteht aus Nährstoffen, Hormonen, Wachstumsfaktoren, Immunglobulinen, Enzymen sowie Prä- und Probiotika – eine komplexe Mischung, die sich den Bedürfnissen Ihres Kindes anpasst.
Wird ein Kind mit Ersatzmilch aus dem Fläschchen gefüttert, wird häufig die sogenannte „Pre-Milch“ verwendet. Diese enthält als einziges Kohlenhydrat Laktose. Die keimhemmenden Stoffe Laktoferrin und Lysozym, die in Muttermilch enthalten sind, fehlen, weil sie industriell nicht hergestellt werden können. Das Wachstum der Bakterien, die Karies verursachen, wird durch die komplexere Zusammensetzung der Muttermilch reduziert. Zudem ist Muttermilch an sich nicht stark kariogen. Das heißt: Muttermilch ist ein Nahrungsmittel, das nur bedingt von Kariesbakterien in Säuren umgewandelt werden kann.
Vorteilhaft sind auch die anatomischen Voraussetzungen beim Stillen. Saugt das Kind korrekt an der Brust, ragt diese weit in den Mund hinein. Das heißt: Die Milch fließt hinter den Frontzähnen und wird beim aktiven Saugen direkt am Rachen entleert, wo die Milch sofort geschluckt wird. Muttermilch bleibt also in der Regel nur kurz im Mund. Die Zähne werden kaum von der Flüssigkeit umspült. Das sieht bei der Flaschenfütterung anders aus: Die Milch tropft häufig sogar ohne Saugen heraus. Dies begünstigt das sogenannte „Pooling“ – eine Ansammlung von flüssiger Nahrung im Mundraum, welche die Entstehung von Karies begünstigt.
Karieskeime können Sie übrigens auf Ihr Kind übertragen. Vermeiden Sie deshalb das Ablecken des Schnullers oder des Saugers.
Stillen trainiert die Zungenmuskulatur
Der Saugvorgang an der Brust ist komplett anders als der an der Flasche. Während des Saugens passt sich das Brustgewebe an die Gaumenform des Kindes an und unterstützt deren Ausformung. So wird beim Stillen die Zungenmuskulatur hinsichtlich Beweglichkeit und Kraft trainiert. Zudem werden optimale Voraussetzungen für eine korrekte Zungenruhelage geschaffen. Bei der Flaschenfütterung muss sich das Kind meist weniger anstrengen und trainiert deshalb weniger die Muskeln. Darüber hinaus verdrängt der Sauger wie ein Fremdkörper die Zunge von ihrer natürlichen Position am Gaumen. Dies führt zu veränderten Krafteinwirkungen von Zungen- und Wangenmuskulatur auf den Kieferknochen.
Zahnstellungsprobleme sind seltener
Neue Studien belegen, dass ausschließliches Stillen über sechs Monate sich positiv auf die Zahnstellung auswirken kann. Die Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, das Babys, die kürzer oder gar nicht gestillt wurden, später häufiger an offenen Bissen, Kreuzbissen oder Überbissen litten. Als Grund wurde die ausgewogene Zusammensetzung der Muttermilch genannt. Diese liefert alle notwendigen Nährstoffe, die das Kind braucht. Dazu gehört auch die Entwicklung des Gesichtsknochens und das spätere Wachstum der Zähne.
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